Stefan Kraft · Malerei, Collage

Marc Ottiker: Stefan Krafts “Gepäck”-Zyklus

Stefan Kraft; Gepäck XXII, 2002; Acryl, Collage, Buntstift und Pastell auf Papier, 29,9 x 42,4 cm; © Stefan Kraft / VG Bild-Kunst, Bonn

Stefan Kraft; Gepäck XXII, 2002; Acryl, Collage, Buntstift und Pastell auf Papier, 29,9 x 42,4 cm; Privatsammlung; © Stefan Kraft / VG Bild-Kunst, Bonn

Sie stehen regungslos. Ob allein oder in Gruppen – sie stehen buchstäblich für sich. Zwischen auf Quaderformen reduzierten Gepäckstücken. Wartende auf einem stillgelegten Bahnhof. Eine Reise zu sich selbst antretend.

Ihr Wesen ist nach innen gerichtet. Sie wirken verschlossen. In ihrem Innern rumort es – worauf die eruptive Rohheit ihrer Ausführung schließen lässt –, doch von der Welt sind sie abgekehrt. Das macht sie verletzlich.

Es entsteht ein eigentümliches Gefühl von Abwesenheit. Sind es nur die Spuren von einmal anwesend Gewesenen? Abdrücke von Seelen? Vergessene Schatten? Geister? Oder Fundstücke?

Es tauchen hin und wieder eingearbeitete Papierfetzen auf. Sie ergeben zufällige Ornamente. Eine Figur ist ganz auf so einem Fundstück festgehalten. Bricht aus dem Zyklus aus. Stefan Kraft mag das. Ausnahmen von der Regel. Unregelmäßigkeiten.

Eine andere Figur sitzt. Mit der Welt verbunden und doch für sich.

Es offenbart sich ein Blick auf das Seelische unseres Lebens. Nur in der Abkehr können wir zu uns finden. Kontemplation. Für sich sein.

Und doch spricht Vitalität aus den Arbeiten. Der Strich ist roh, wie ein Ausbruch. Ungehobelt. Hier wird nichts beschönigt oder begradigt. Das kommt aus dem Bauch heraus. Eine Dringlichkeit ist spürbar. Mit sicherer Hand “gchriblet”, wie man in der Schweiz sagt.

Diese Malerei steht in der Tradition eines Dubuffet oder Twombly. Das Ringen um einen verschlossenen Ausdruck. Kraftvoll und zart.